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Montag, 9. Januar 2006
lmd78, Montag, 9. Januar 2006, 12:45h,
gestern: lesung
+ ich nehme von meinem vorhaben, vornehm nichts über die lesung zu schreiben, doch abstand. erstmal danke an die organisatorinnen, ich finde veranstaltungen dieser art immer sehr schön und interessant, auch wenn ich nicht uneingeschränkt begeistert war - äh, euphemismus, siehe unten.
++ gab einige sehr positive überraschungen für mich: - die ebenso charmante wie witzige wie sympathische schwadroneuse, super geschichte gelesen, sehr süss nervös gewesen dabei, sehr nett später beim trinken. ansonsten: - lyssa war sehr witzig. - passagen von mequitos geschichte waren sehr witzig. bin dankbar für die information dass man in südtirol "abstandsbedienung" statt "fernbedienung" sagt; und - der text von engl war hübsch und sie hatte den mut, eine geschichte zu lesen, die nicht auf lacher aus war. schön: die überlegung, nach welcher "inkubationszeit" man über sein leben schreiben kann, wie bei fichte, der immer zwanzig jahre später über sein leben schreibt. - allen vier gemeinsam: sich selbst nicht zu ernst nehmen. stoff zum weiterlesen für mich. +++ parka war super, aber das war keine überraschung. parka rules sowieso. ++++ fällt mir schwer, zu formulieren, was mich gestört hat, aber einige punkte waren es doch: - ohne jede selbstironie billige scherze auf kosten anderer zu machen. ich lese gern böse, ätzende texte, aber manches war doch sehr einfach und auf billige lacher aus. [ich lösch das beispiel, dass ich hier stehen hatte, gerade wieder raus, weil ich niemanden persönlich angreifen will, aber es gab bei einigen texten eine grundhaltung, sich selbst auf kosten anderer gut aussehen zu lassen, sich selbst als unglaublich toll und wichtig hinzustellen... das wort "selbstgerecht" mag hart sein, es ist aber das erste und treffendste, das mir einfällt.] - immer dieses gerede von der "blogosphäre". als machten die anwesenden blogger und bloggerinnen, die doch zu grossen teilen aus der gleichen "szene" kommen, diese massgeblich aus. ich kann das ganze wort nicht leiden und fühle mich da auch wirklich nicht zugehörig. in genervten momenten der lesung immer wieder das aufblitzen des gedankens: ich hör auf zu bloggen. wenn das die blogosphäre ist. damit will ich nichts zu tun haben. das hat sich in den gesprächen später wieder ziemlich gegeben, weil doch viel neues und nettes dabei war, und das alte nette mich sowieso immer mit dem bloggen versöhnt. - die permanente gegenseitige bestätigung, zusätzlich zur selbstbestätigung. ach herr soundso, sie sind ja so toll, ach frau soundso, sie sind ja so erfolgreich, ja genau, herr soundso, frau soundso, bla bla bla... nervig. bloggen als selbstbestätigung. nie sich in frage stellen, nie sich selbst suchen, immer alles fertig und poliert, selbst die abgründe sind pose. die blogger und bloggerinnen, die ich liebe, sind eben nicht ihrer selbst ständig sicher, sondern auf dem weg, auf der suche, offen, versichern sich erst duch das schreiben ihrer selbst, "verhandeln ihre identität" ständig, um ethnologisch zu formulieren. lassen einen daran teilhaben, an diesem oft schmerzhaften prozess. nicht die erfolgreichen im platten gesellschaftlichen sinn des wortes (karriere...). die einst mit ronsens angeschnittene diskussion, ob scheitern (in diesem sinne von karriere) gute blogger hervorbringt oder auszeichnet, würde ich gerne mal vertiefen. ... comment
goncourt, 2006.01.09, 13:37
Ach das ist auch so eine Formulierung, die leicht zu mechanisch mißverstanden werden könnte: scheitern = Kunst, oder so. Warum soll nicht auch jemand bloggen, gut bloggen, der restlos glücklich ist? [Allerdings muß ich gestehen, dass ich 'vor Glück und Pausbäckigkeit strotzende Blogs' auch eher weniger lese, und bei denen hängen bleibe, die die eine oder andere Brechung haben. Vielleicht würde mir auch, wenn ich restlos glücklich wäre, der Sinn nach anderem stehen, A Yankee Boy is trim and tall, And never overfat, sir,
At dance, or frolic, hope and ball, as nimble as a rat, sir, so um den Dreh] ... Link
lmd78, 2006.01.09, 13:51
so einfach meinte ich das nicht, scheitern = kunst, klar.
aber ob für gutes, interessantes bloggen oder für das, was ich dafür halte, nicht qualitäten nötig oder eher hilfreich sind, die beim fortkommen in sachen "karriere" hinderlich sind. oder, andersrum, ob qualitäten, die beim erfolgreichsein im berufsleben helfen (schnell sein mit dem formulieren, mit dem entscheiden, mit dem sicher sein, unterordnungsbereitschaft aka "teamwork", sich selbst sehr wichtig nehmen und diese wichtigkeit auch mal auf kosten anderer durchsetzen und bestätigen), beim weblog schreiben nicht stören. seltsam auch, dass ich mich da irgendwo dazwischen sehe. ich bin näher an dem dran, das ich hier gerade so kritisiere, als es klingt. was erfolg und so angeht. ... link
roland, 2006.01.09, 14:10
ja, nee, das ist so eine These, die ich tatsächlich nicht so aufrecht erhalten würde (mich nerven ja auch so Weblog-Abbrüche, die in etwa "Get-A-Live"-mäßig argumentieren, also man müsse sich jetzt mal wieder dringend dem "wirklichen" Leben zuwenden etc.).
Eher tatsächlich umgekehrt: ich mag keine Checker und deshalb mag ich auch keine Checker-Weblogs. ... link ... Comment
modeste, 2006.01.09, 18:19
Hm. Tja. Kann man so sehen. Ein paar Worte vielleicht doch:
Was die Selbstbestätigung angeht, ist der Selbstzweifel ja so eine Sache, die nicht jeder gern im Angesicht von wirklich ziemlich vielen Leuten versprüht. Und die Unsicherheiten einer Moderation, die das Nette, vielleicht auch eher zu Gefällige betont, ergibt sich weniger aus dem "Wir feiern uns und unsere Großartigkeit", als aus der Unsicherheit von Menschen, deren Job das Lesen und Schreiben eben nicht ist, und aus der Unsicherheit einer Moderation, die mangels anderer Angebote, zu moderieren, da steht, sicher dazu. Ich habe gern gelesen, und nicht so besonders gern angesagt. Was diesen "Absetzreflex", dieses "mit Bloggern will ich Individualist nichts zu tun haben" angeht, äußere ich mich die Tage noch einmal etwas Ausführlicher im eigenen Blog. Fremd ist dieser Reflex wohl niemandem, so ganz behaglich sind mir diese Regungen (vorwiegend bei mir selbst), aber nicht. ... Link
lmd78, 2006.01.10, 11:03
modeste, dazu:
- erstmal hätte ich mir ronsens' sehr wichtigen ung guten hinweis, dass man textkritik immer sehr vorsichtig machen soll, damit sie nicht als kritik der personen missverstanden wird, noch mehr zu herzen nehmen sollen und das auch explizit sagen sollen. jenseits von unsicherheit, nervosität und unerfahrenheit, die bei so einer lesung ja direkt dazugehören, ist ja keine professionelle veranstaltung und gerade das macht ja das vergnügen daran aus, jenseits dieser personenbezogener punkte meinte ich eher textmerkmale. selbst- und gegenseitige bestätigung, die sich durch viele blogs und kommentare in blogs durchziehen, auf jeden fall lese ich das oft so. insofern war es vielleicht nicht ganz fair, das an dieser lesung aufzuhängen, sondern ein breiterer eindruck, der bei diesem anlass nur hervorgeholt wurde. - in diesem sinne der textebene war auch das absetzen gemeint. gar nicht von allen bloggern, als vermeintlicher individualist, sondern von einer stilistischen art des bloggens. tut mir leid, wenn wir ein zu kritisches publikum waren. ... link ... Comment
engl, 2006.01.11, 17:15
sich selbst nicht ernst nehmen, ich weiß nicht. dann sollte man am besten schweigen und nicht schreiben, schon gar nicht öffentlich. aber nicht so wichtig, das träfe es, für mich zumindest.
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lmd78, 2006.01.12, 00:39
stimmt, das ist ein unterschied. sich selbst ernst, aber nicht zu wichtig nehmen. danke.
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soweit der plan mit diesem allerrührendsten aller lieder das bloggerleben zu beenden. ist jetzt der dringenden drang dazwischengekommen ("der dringende drang", sollte ich mal einen roman schreiben, der so heisst; oder so). satzzeichenverwirrung. auf jeden fall wollte ich mitteilen, dass ich dieses wochenende in berlin gedenke, mich aber sowas von... by lmd78 (2008.06.19, 18:50) Bloggen ist kein Schwanzvergleich. Man...
Bloggen ist kein Schwanzvergleich. Man muss und braucht sich nicht mit jedem messen. Einer ist immer besser. by microsia (2008.04.26, 17:50) wenn der kater sich langsam...
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ich weiss ja... aber es geht ja auch überhaupt nicht darum, ein erfolgreiches, viel gelesenes, populäres blog zu schreiben. sondern irgendwas, an dessen sinnhaftigkeit ich selber glauben kann. oder so. by lmd78 (2008.03.19, 09:48) |
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